KI-Klasse und der Big Bang
Berlin, Big Bang KI – das war unsere erste Studienfahrt
Normalerweise beginnt ein neues Schuljahr mit Stundenplan, Organisatorischem und der vorsichtigen Frage, wer eigentlich neben wem sitzt. Bei unserer ersten Fachklasse für Künstliche Intelligenz lief das etwas anders: Begrüßung in der Aula, kurze Schulbesichtigung – und dann praktisch direkt ab auf Studienfahrt nach Berlin. Viel Zeit zum Eingewöhnen blieb uns also nicht. Dafür sollte sich sehr schnell zeigen, ob wir als neue Klasse auch außerhalb des Klassenzimmers funktionieren.
Am Dienstag, den 15. September 2026, begann die Reise zunächst mit einer kleinen Belastungsprobe. Unerwarteter Stau in Donauwörth sorgte dafür, dass unser Zeitplan auf dem Weg zum Bahnhof zunehmend optimistisch wirkte. Als wir schließlich ankamen, war der ICE eigentlich schon weg.
Eigentlich.
Denn in diesem entscheidenden Moment zeigte die Deutsche Bahn ihre ganze Stärke: 20 Minuten Verspätung! Während sich andere Reisende darüber vermutlich weniger freuten, war sie für uns die Rettung. Wir stiegen ein und waren damit trotz Stau wieder perfekt im Zeitplan. Einen besseren Start in eine Studienfahrt hätte man vermutlich auch mit künstlicher Intelligenz nicht planen können.
Nach der Ankunft in Berlin folgte ein deutlich ernsterer Programmpunkt. Der Besuch des Holocaust-Mahnmals mitten in der Hauptstadt machte nachdenklich und hinterließ bei uns einen bleibenden Eindruck. Anschließend ging es weiter zum Reichstagsgebäude. Dort konnten wir die berühmte Glaskuppel besuchen – und erwischten dabei genau den richtigen Zeitpunkt. Berlin bei Sonnenuntergang von oben zu sehen, war schlicht traumhaft.
Den ersten Abend ließen wir anschließend deutlich entspannter an der Spree ausklingen. In der „StäV“ gab es gutes Essen, gute Stimmung und endlich etwas Zeit, die ersten Eindrücke des Tages gemeinsam zu verarbeiten. Spätestens hier begann aus einer neu zusammengewürfelten Klasse langsam eine echte Gemeinschaft zu werden.
Zwei Tage KI im XXL-Format
Am nächsten Morgen wurde es dann fachlich besonders interessant: Von 9:00 bis 16:30 Uhr besuchten wir das Big Bang KI Festival. Für eine Klasse, deren Ausbildung sich in den kommenden zwei Jahren intensiv um Künstliche Intelligenz drehen wird, hätte das Programm kaum passender sein können.

Auf den Bühnen hörten wir Vorträge und Diskussionen von Führungskräften aus der Tech-Branche, Entscheidern aus Wirtschaft und Politik sowie Zukunftsforschern, Autoren und KI-Experten. Mit dabei waren unter anderem Tim Höttges, CEO der Deutschen Telekom, Alvin Wang Graylin und der Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht.
Dabei ging es natürlich um Künstliche Intelligenz – aber längst nicht nur darum, welche Modelle gerade die besten Benchmarks erreichen. Diskutiert wurden auch die Auswirkungen der Technologie auf Wirtschaft, Gesellschaft, Arbeitswelt und unsere Zukunft. Für uns war besonders spannend, Themen, die uns in den kommenden zwei Schuljahren immer wieder begegnen werden, plötzlich aus der Perspektive von Menschen zu hören, die an vielen dieser Entwicklungen direkt beteiligt sind.
Auch zwischen den Vorträgen gab es genügend zu entdecken. Wir kamen mit verschiedenen Unternehmen ins Gespräch, informierten uns über aktuelle Entwicklungen – und konnten humanoiden Robotern von Unitree beim Boxen zusehen. Spätestens als sich zwei Roboter gegenseitig Schläge verpassten, war klar: Unsere Studienfahrt war endgültig etwas anders als eine klassische Klassenfahrt.
Ganz entspannt konnten wir das Festival allerdings nie genießen. Denn während all dieser Programmpunkte lief im Hintergrund noch eine zweite Mission: das „Mörderspiel“. Unter Anleitung unseres Schulsozialpädagogen Niklas Mattern, der uns auf der Fahrt begleitete, versuchte jeder unauffällig, sein jeweiliges „Opfer“ zu erwischen – während man gleichzeitig selbst ständig auf der Hut sein musste. So konnte selbst ein harmloser Satz wie „Magst du einen Kaugummi?“ plötzlich verdächtig wirken.
Zwischendurch trafen wir außerdem die Delegation des Bundesverbandes BVT. Mehrere unserer Schülerinnen und Schüler wurden interviewt und konnten ihre Eindrücke vom Festival und von unserer neuen Fachrichtung schildern. Natürlich durfte auch ein gemeinsames Gruppenfoto nicht fehlen.
Nach so viel KI, Zukunft und digitaler Technik beschäftigten wir uns am Abend mit einer Technologie, die bereits seit einigen Jahrtausenden ziemlich zuverlässig funktioniert: Bierbrauen. Direkt neben dem Festivalgelände besuchten wir die BRLO Brauerei. Dort erfuhren wir viele interessante Fakten über Rohstoffe, Brauprozesse und die Kunst hinter einem Getränk, bei dem offensichtlich ebenfalls ziemlich viel Technik und Know-how nötig sind.
Tag zwei: Noch mehr KI – und ein bisschen Magie
Am Donnerstag ging es direkt weiter: Von 9:00 bis 17:00 Uhr waren wir erneut auf dem Big Bang KI Festival unterwegs. Wieder erwarteten uns zahlreiche Vorträge, Gespräche und neue Eindrücke rund um KI und Digitalisierung.
Ein besonderes Highlight wartete zum Abschluss: der Auftritt des bekannten iPad-Zauberers Simon Pierro. Was sich zunächst nach ein bisschen Zauberei mit einem Tablet anhörte, erwies sich schnell als beeindruckende Show zwischen digitaler Technik, Illusion und perfektem Timing.
Nach zwei intensiven Festivaltagen hatten sich unsere Köpfe eine Pause verdient. Am Abend ging es deshalb gemeinsam vietnamesisch essen. Anschließend genossen wir noch einmal Berlin und unsere letzte gemeinsame Nacht in der Hauptstadt.
Von moderner KI zurück zu den Anfängen des Computers
Am Freitagvormittag stand zum Abschluss das Deutsche Technikmuseum auf dem Programm. Bei einer Informatik-Führung ging es diesmal nicht um Chatbots, humanoide Roboter oder die neuesten KI-Modelle, sondern zurück zu den Ursprüngen der modernen Computertechnik.
Dabei wurden wir gedanklich in die Zeit rund um den Zweiten Weltkrieg zurückversetzt – eine Epoche, die eng mit wichtigen Entwicklungen der frühen Computertechnik verbunden ist. Besonders faszinierend war die Geschichte von Konrad Zuse und seinen frühen Rechenmaschinen.
Zuse entwickelte seine Konstruktionen zunächst unter äußerst einfachen Bedingungen und arbeitete unter anderem im Wohnzimmer seiner Eltern an seinen Ideen. Zwei Jahre akribische Arbeit, unzählige Bauteile und vermutlich eine beachtliche Menge Geduld waren nötig, um etwas zu erschaffen, das die Entwicklung des Computers entscheidend mitprägen sollte.
2 Jahre.
Genau zwei Jahre liegen auch vor uns an der Technikerschule. Wenn man sich anschaut, was Konrad Zuse in dieser Zeit auf die Beine stellte, ist das möglicherweise ein klein wenig Druck – aber vor allem eine ziemlich gute Motivation. Wir sind gespannt, was bei uns nach zwei Jahren herauskommt. Ein neuer Computer im Wohnzimmer muss es ja nicht gleich sein.
Danach hieß es Abschied nehmen von Berlin. Mit dem ICE ging es zurück Richtung Donauwörth – und diesmal mussten wir uns nicht einmal darauf verlassen, dass eine Verspätung unseren Zeitplan rettet.
Hinter uns lagen vier intensive Tage mit KI, Robotern, Politik, Geschichte, Technik, Zauberei, gutem Essen, einem Mörderspiel und jeder Menge gemeinsamer Erlebnisse.
Vor allem hat die Fahrt aber eines gezeigt: Für eine Klasse, die sich am Dienstagmorgen praktisch noch kaum kannte, hat das erstaunlich gut funktioniert. Bereits nach der ersten Schulwoche steht fest: Unsere Klassengemeinschaft ist jetzt schon ziemlich unschlagbar.
Wenn das der Start war, dürfen die kommenden zwei Jahre gerne so weitergehen.

